Büßerprozession am 25.07.2004
Seit 1644 zieht alljährlich am letzten Sonntag im Juli die Büßerprozession durch
Veurne, um Krieg und Krankheit
fernzuhalten. Pünktlich um 15,30 Uhr verstummt das Kirmesgetöse am Grote Markt.
Nur "t'Bomtje", die schwere Hauptglocke der St. Nikolaus -Kirche, darf mit ihrem
dumpfen Geläute die Büßerprozession akustisch begleiten. Angeführt wird der Zug
von Einwohnern, die holzgeschnitzte Heiligenfiguren tragen und biblische Szenen
nachstellen. Der Metzger mimt einen Folterknecht, der den dornengekrönten Jesus
auspeitscht. Und der Briefträger spielt seit Jahren die Rolle des Noah, der ein
Modell der Arche umklammert. Vor jeder Gruppe schreitet ein Engel, der ein Schild
mit dem Namen der biblischen Szene trägt: "Der Sündenfall des ersten Menschen",
"Stall von Bethlehem" oder "Pilatus und seine Richter": Herzstück der Prozession
ist die Kreuzigungsgruppe: Jesus am Seil römischer Soldaten, ein 40 Kilo schweres
Kreuz auf den Schultern. Immer wieder fällt er auf die Knie - so wie in der
Leidensgeschichte überliefert. Hinter dem Gekreuzigten ziehen schweigsam und
gebeugt die 200 schwarzgekleideten , vermummten Büßer und Büßerinnen, darunter
auch Bürgermeister Happ, vorbei, die bis zu 25 Kilo schwere Holzkreuze auf ihren
Schultern schleppen.
Die Büßerprozession ist kein Theater, sondern ein Stück
tiefer flämischer Volksfrömmigkeit. Rainer Maria Rilke, der sie im Jahre 1906
miterlebte, war von den Kreuzträgern stark beeindruckt: "Erst meint man freilich,
gerade diesen Büßern fehle es am Ernst der Haltung. Aber je öfter man sie
wiedersieht, desto aufrichtiger und unüberlegter wird ihr Tragen, desto mehr
kommt unter der vollen Sonne das Kreuz über sie, mit seinem ganzen Sichschwermachen."
Die diesjährige Büßerprozession findet am 25.07.2004 statt. Die Rösrather Gruppe
unter der Führung von Bürgermeister Happ startet um 6.00 Uhr ab Rathaus Hoffnungsthal
und ist gegen 22.00 Uhr wieder von Veurne zurück. Anmeldungen bei Frau Lydia Rupp,
Rathaus, Tel.: 02205/802306 -Eigenbeteiligung 23,00 €. Die Anmeldungen werden
in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt.
R. Mauer
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