Kölner Stadt-Anzeiger vom 30. Mai 2008 
Eigenansichten von Adlern und Hähnen
Deutsch-französische Ausstellung zum zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft
40 Künstler aus Rösrath und dem Pays de Gallie machen gemeinsame Sache.
von Thomas Rausch
Rösrath - Zum zehnten Geburtstag der Städtepartnerschaft zwischen Rösrath und
dem französischen Pays de Gallie gibt es auch einen künstlerischen Beitrag - eine
Ausstellung im Bürgerforum Bergischer Hof. Das Konzept erdachte die Rösrather Künstlerin
Thesa Terheyden, die Teilnehmer sollten eine dreiteilige Arbeit einreichen: ein
Foto von sich, ein persönlich gestaltetes Selbstportrait und einen dritten Teil mit Bezug auf das
Partnerland.
Aus dieser Vorgabe ist mit 40 Kunstwerken eine Vielfalt von Beiträgen entsprungen,
originelle Selbst-Ansichten überraschen ebenso wie die Ideen zum Partnerland.
Einen zweiten, höheren Turm stellt Caesarius Volberg neben das Türmchen der Torburg von Haus Eulenbroich -
der Neuzugang ähnelt der weltberühmten Stahlkonstruktion von Gustave Eiffel. Carolina Alonso
Rodriguez schnürt französischen Hahn und deutschen Adler zusammen. Hans Günter Blau füllt
französischen Rotwein in einen flachen Glasbehälter und bringt ihn so in Bild-Form.
Ulrike Oeter verknüpft ihren Rückblick auf die NS-Herrschaft mit einem „mobilen Straßenmuseum“ und
die SS-Massaker im französischen Oradour. Mit bildern von Aktionskunst arbeitet auch
Manuele Klein. Sie erinnert an eine Performance am Kohlekraftwerk in Rybnik (Polen), wo
sie mit anderen Künstlern auf Umweltgefahren hinwies und kombiniert die Bilder mit dem
Eiffelturm-Gestänge.
Heiterer kommt eine Komposition von Heike Kehres-Woost daher: Mit „Paris ist eine Frau“ knüpft sie
an den Mythos der Frauen vom linken Seine-Ufer an, stellt Erinnerungen an eigene Korrespondenz
mit französischen Künstlerinnen dazu. Wesentlich freier geht Mary Bauermeister mit Terheydens
Triptychon-Idee um: Im Mittelpunkt steht bei ihr ein Foto ihres verstorbenen Ex-Mannes
Karlheinz Stockhausen, das sie mit Zutaten wie einem getragenen Mantel und Notenzeilen kombiniert.
Originelle Zugänge zu dem geforderten Selbstportrait finden auch Detlev Weigand, der sich ein Hirschgeweih
aufsetzt, oder Hans Günter Blau, der auf sein Foto eine Bart- und Kopfhaare samt Brille
und Mütze montiert. Bernd Heinermann zeigt sich als Junge mit Schultüte und fügt eine
Collage mit französischen Zeitungsausschnitten hinzu. Nicht so fantasievoll, aber sehr eindringlich
wirkt ein Öl-Selbstportrait von Pierre Bonnecarrère. Seine Gesichtszüge tauchen fast schemenhaft im Dunkel auf
und wirken doch charakteristisch. Ansonsten ist noch kaum einer der insgesamt zehn französischen Beiträge
bis zur Presse-Vorbesichtigung nach Rösrath gelangt, die meisten Künstler aus dem
Pays de Gallie bringen ihre Arbeiten erst zur Eröffnung mit.
Mit der Herkunft aus Rösrath nahmen es die Ausstellungsmacher im übrigen nicht so genau.
Damit gelangte auch ein Triptychon der Bensbergerin Fine Zimmermann in die Ausstellung -
sie beschäftigt sich mit der Komponistin Elisabeth Jacquet de la Guerre. Karsten K. Panzer
ist ebenfalls vertreten: Ein Selbstportrait als Mephisto verbindet er mit seiner künstlerischen
Verarbeitung von genetischen Strukturen. Auch die Mosel-Gegend zählt zum weiteren Rösrath:
Robert Dzienziol zeigt sich vor deutscher und französischer Flusslandschaft.
Die deutsch-französische Ausstellung wird ... Freitag, 30. Mai, 18.30 Uhr, eröffnet. Danach ist sie bis
17. August zu sehen
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