Reibekuchen für Veurne
Eine Bitte abzuschlagen, gehört nicht zu den Stärken
der im Folgenden erwähnten Hauptakteure. Aber als das
Begehren an mich herangetragen wurde, für etwa 12.000
Personen Reibekuchen zu backen oder doch zumindest die
Organisation hierfür zu übernehmen, verschlug es mir
dann doch den Atem. Dabei war der Wunsch nachvollziehbar: Jeder
Veurner sollte die Möglichkeit haben, einmal einen
Reibekuchen nach bewährtem Familienrezept aus dem Hause
Klönne genießen zu können. Als wir dann
errechneten, dass bei dieser größten anzunehmenden
Menge rund 1,2 Tonnen Kartoffeln und etwa 200 Flaschen Öl zu
verarbeiten gewesen wären, zuckten wir doch merklich
zusammen. Das Partnerschaftskomitee hatte ein Einsehen und wir
einigten uns auf die Herstellung von 1.000 Reibe-kuchen
(insgeheim erhöhten wir später auf 1.250, man
weiß ja nie…).
Die Vorbereitung nahm uns bereits drei Wochen vorher in Anspruch
und war „nicht ohne“. Zu transportieren waren:
- Reibekuchen-Pfanne so groß wie ein Billard-Tisch
- Reibekuchen-Reibe
- Zwei Gasflaschen
- Bänke, Tische, Klappstuhl, Zelt
- Schüsseln, Wannen, Tücher, Küchenrollen
- Deutschland-Fahne
- und natürlich Kartoffeln, Öl und Zutaten.
Die Aufzählung ist längst nicht abschließend; es
wurde die Lang-Version eines Kleinbusses benötigt, um alles,
die Lebensmittel natürlich gekühlt (Temperatur in
Rösrath am 10. Juli 2010: 39 Grad), unbeschadet nach Veurne
zu verfrachten.. Gepackt wurde am Vortag, die Lebensmittel
verbrachten wir am frühen Morgen des 10. Juli 2010 in das
Fahrzeug. Die Kühlung derartiger Mengen an Kartoffeln,
Zwiebeln, Ei, etc. war entgegen unseren Befürchtungen kein
Problem. Wir erfanden eine außerordentlich wirksame und
dennoch verblüffend einfache Methode; sie gehört ab
sofort zum geheimen Familien-Reibekuchen-Rezept!
Wir – Schwiegermutter und anerkannte Reibekuchen-Expertin,
deren älteste Tochter, deren zweitälteste Enkelin und
deren zweitältester Schwiegersohn- machten einander
gegenseitig Mut und kamen bald zu dem Schluss, dass der miese
Absatz keinesfalls auf die Qualität des Produkts
zurückzuführen sei. Es braucht halt seine Zeit, bis der
Reibekuchen im Ausland seinen Siegeszug hält. Immerhin waren
alle, die ihn probiert haben, voll des Lobes. Ein Einziger wagte
es, den nur angeknabberten Reibekuchen in die Mülltonne zu
werfen. Nur kurz waren wir empört, denn sein ganzes Benehmen
deutete darauf hin, dass es sich um einen Genuss-Banausen
handelte; er kam uns gleich so komisch vor! Allerdings, und das
muss betont werden, verloren wir zu keinem Zeitpunkt den
Spaß an der Sache, auch nicht, als wir um 0:20 Uhr mit dem
einstündigen Abbau begannen oder anschließend in einem
Vierbettzimmer (mit Hochbetten) in der nahegelegenen
Jugendherberge nächtigen mussten oder aber am nächsten
Morgen der Kleinbus derart nach Reibekuchen duftete, dass ein
(fettfreies) Durchatmen fast unmöglich wurde.

Die Reibekuchen-Expertinnen
Nun ganz im Ernst: Veurne hat uns wieder einmal gut gefallen und
wir haben ganz bestimmt vielen Veurnern eine Freude machen
können. Wir wurden außerordentlich freundlich und
zuvorkommend empfangen und wir sind ganz sicher: Der Reibekuchen
wird bald Freunde in ganz Belgien finden!
Franz Gheno
Weitere Beiträge der 16.
Ausgabe 2010
 |

|