Zwei Tage in Brüssel
„On parle d’euroscepticisme, mais en tant que futur
citoyen français et donc citoyen europeén, je me
sentais loin d’appartenir à cette grande famille
qu’est l’union européenne. Ce voyage m’a
beaucoup apporté, il a profondément changé
ma façon de voir l’Europe et tout ce qui
l’entoure. C’est pourquoi, je tenais à
remercier tous les organisateurs et mécènes de ce
projet pour son aboutissement…“, schreibt Thomas
Aubépart, 17-jähriger Schüler des
“Lycée Sonia Delaunay, Villepreux, der Partnerschule
Rösraths, in der Nähe von Saint-Nom-la-Bretèche.
“Ich bin sehr glücklich, so viele neue Erfahrungen
gemacht zu haben… Dieses Treffen war wirklich ein neuer
Schritt zur europäischen Freundschaft und ich hoffe, dass so
was noch öfter stattfinden wird“, bedankt sich Claire
Verroul, 18-jährige Schülerin aus Kleineichen. Beide
waren mit je 5 Mitschülern und den verantwortlichen Lehrern
Isabel Gagnaire-Suzeau und Dr. Claus Hagenberg am 10.-11.9.09 vom
Rösrather Partnerschaftskomitee zum Besuch des
Europäischen Parlaments, der Hohen Kommission und der
Vertretung NRW in Brüssel eingeladen worden.

In verschiedenen Beiträgen, die im Folgenden nur
gekürzt wiedergegeben werden können, schildern die
Schüler ihre Eindrücke und schlussfolgern, dass alle
Gespräche und Diskussionen ihr Verständnis
europäischer Politik und Bedeutung der Institutionen sehr
gefördert hat.
Marian Strack aus Forsbach berichtet
über das Gespräch mit dem Europaabgeordneten Herbert
Reul aus Wermelskirchen: „Die große Bandbreite der
Themen und die aufgrund der verschiedenen Herkunft vielseitigen
Interessen der Schüler machte das Gespräch zu einer
intensiven und informativen Diskussion. Es lag im
außerordentlichen Interesse aller Beteiligten, die
erfahrenen Inhalte auf aktuelle Themen zu übertragen und
einen praxisnahen Bezug herzustellen.“ Schon in diesem
Zusammenhang ist erwähnenswert, dass sowohl die Schüler
aus Frankreich wie aus Deutschland einen umfangreichen
Fragenkatalog vorab erarbeitet und über mich an Herrn Reul
weitergeleitet haben.
Paul Bernadet aus Villepreux bewertet die
Diskussion mit Herrn Reul folgendermaßen: “Cette
rencontre avec celui-ci a également dissipé un de
mes doutes concernant l’Union Européenne, à
savoir qu’il n´ y avait point de réel
débat d’idées et que l’Europe
n’était qu’une institution consacrant la paix
après la Seconde Guerre Mondiale et qu’elle
n’était plus qu’un instrument pour renforcer
le pouvoir économique des pays européens face aux
Etats-Unis. Cependant les faits sont tout autres: Les pouvoirs
concentrés dans l’Union Européenne engagent
de fait des confrontations et des visions différentes sur
les mesures à prendre au niveau européen. Une chose
m’apparaît également comme une évidence
suite à ce voyage: l’échelon national
n’est plus prioritaire, et l’Union Européenne
est plus décisive quant au devenir des Nations qui la
composent que n’importe quel gouvernement national.”
Der Diskussion mit Herrn Reul folgte ein gemeinsames Mittagessen
in der Kantine des Parlaments und eine Führung durch das
Parlamentsgebäude und den Plenarsaal, von der die
Rösrather Schülersprecherin Luisa Frackenpohl
bewundernd berichtete. Das Gespräch in der Kommission mit
Sören Haar, Referent für Bildung, Kultur und
Information, begann mit einer Erläuterung der
Organisationsstruktur und den Zuständigkeiten der
Exekutivorgane und konzentrierte sich dann auf die Chancen
junger, sprachgewandter Akademiker in einem wachsenden
internationalen Dienstleistungssektor. In den einzelnen
europäischen Behörden arbeiten z.Zt. etwa 29.000 Beamte
und Angestellte. Hierzu schreibt Niklas Záboji aus
Hoffnungsthal: “Man konnte erkennen, dass er (Sören
Haar) jedem anwesenden Schüler verständlich machen
wollte, wie wichtig Auslandsaufenthalte und Praktika heutzutage
sind, oftmals wichtiger als Zeugnisnoten. Aus dem Vortrag wurde
eine interessante Diskussion über gesellschaftliches
Engagement, die Rolle von Parteien, Vereinen, Gewerkschaften und
- nicht zuletzt - auch um die Rolle von
Städtepartnerschaften.“
Suzon Bachet aus
Les-Clayes-sous-Bois ergänzte: “Etant
intéressée par la politique et l’Europe, la
rencontre (dans la Commission) était une chance de
discuter de quelque chose de concret, en particulier des langues
en Europe. En effet, j’aimerais, à l’avenir,
travailler dans le journalisme franco-allemand.“ Ein Besuch
in der Vertretung des Landes NRW bei der EU rundete das
Informationsprogramm ab. Marie-Josèphe Bidegaray, eine
engagierte, französisch sprechende Mitarbeiterin, berichtete
über die Aufgaben der Vertretung als Bindeglied zwischen
europäischem Parlament und Kommission einerseits und
Landesparlament, Behörden, Wirtschaftsverbänden u.a. in
NRW andererseits.
Hannah Hübner aus Hoffnungsthal war
beeindruckt von der Vielseitigkeit der Aktivitäten und
schreibt: „Darüber hinaus ist die NRW-Vertretung ein
kulturelles Zentrum. Mit Ausstellungen, Konzerten und
Vorträgen bringt sie zum Ausdruck, dass das Bundesland NRW
eine attraktive Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturregion
ist. Für alle Interessenten in europapolitischen Fragen ist
die Vertretung eine willkommene und sehr gefragte
Anlaufadresse.“
Nach den vielen Eindrücken und
Gesprächen blieb noch Zeit für eine Stadtbesichtigung,
den Besuch uriger Lokale - Brüssel ist berühmt für
seine Esskultur - und vor allen Dingen die Gelegenheit für
beide Gruppen, sich näher kennenzulernen. Für die einen
war der Besuch bei „Chez Léon“ mit Verzehr von
Muscheln und Fritten der Volltreffer, für andere das
Lichtermeer auf dem „Grand Place“, dem schönsten
Platz von Europa. Laura Ritter aus Forsbach wiederum
schwärmte von den „Pralinés Leonidas“ und
belgischen Waffeln. „Wir fanden es alle toll, im Ausland zu
sein, genauer gesagt im deutsch-französischen Belgien, wo
keiner so ganz verloren, aber auch keiner zu Hause war“,
resümierte Claire Verroul, deren Vater Franzose ist.
„So kamen wir uns alle näher und spätestens beim
gemeinsamen Essen war das Eis gebrochen.“ Die Berichte
aller Teilnehmer, die leider in ihrer Länge und
Ausführlichkeit nur ansatzweise wiedergegeben werden
können, beweisen deutlich, dass die Zielsetzung des
„Unternehmens Brüssel“ erreicht wurde; durch das
Kennenlernen der europäischen Machtstrukturen, die Bedeutung
der europäischen Gemeinschaft und ihrer Politik für die
Zukunft des Kontinents einzuschätzen. Wie Niklas
Záboji am Ende seines Beitrags im Kölner
Stadtanzeiger treffend formulierte: “Europa in Zukunft, das
sind wir.“
Horst Reuver
Weitere Beiträge der 14.
Ausgabe 2009
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