Gemeinsame Geschichte
Deutsche und Franzosen schreiben gemeinsam Geschichte. Das
deutsch-französische Geschichtsbuch gibt es wirklich,
zumindest der erste Band „Europa und die Welt seit
1945“ liegt vor, in der deutschen und in der
französischen Fassung. Kaum zu glauben: zum ersten Mal
lernen Schüler zweier Nationen Geschichte aus einem
identischen Schulbuch, das aus der „Feder“ von
jeweils 5 Historikern beider Länder stammt.
Grund genug, den mittlerweile 5. Deutsch-Französischen
Dialog in Rösrath am Thema „Geschichte“
festzumachen Bei reger Diskussionsbeteiligung erlebten am 23.
November 2007 rund 120 Teilnehmer eine Veranstaltung, die unter
der erfrischenden Moderation von Barbara Cepielik vom Kölner
Stadt-Anzeiger, spannende und differenzierte Akzente setzte. So
äußerte sich Dr. Peter Geiss, Lehrer, Autor und
Mitherausgeber des Geschichtswerkes, sehr beeindruckt von der
lebendigen Diskussion und der Tatsache, dass sich Menschen
unterschiedlichster Altersstufen mit Buch und Thema
auseinandergesetzt haben. In der Tat hatten im Rahmen der
Podiumsdiskussion rund 40 Teilnehmer das Buch erworben und
bereits darin gelesen.

Deutsch-französischer Dialog
Übrigens der Vorschlag für ein gemeinsames
Geschichtsbuch kam im Januar 2003 von den Vertretern des
deutsch-französischen Jugendparlamentes. Seit Beginn des
Schuljahres 2006/2007 wird der vorliegende Band im Unterricht
eingesetzt, er entspricht sowohl den Lehrplänen der 16
deutschen Bundesländer als auch dem französischen
Lehrplan.
In der Zusammenarbeit der deutschen und französischen
Autoren- alle Lehrer - kam es, laut Peter Geiss selten zu
Dissonanzen im Verständnis von Geschichte, Einigungsbedarf
bestand jedoch hinsichtlich der anzuwendenden Lehrmethoden.
Während deutsche Schüler es gewohnt sind, Informationen
durch intensives Quellenstudium zu hinterfragen und zu
beurteilen, geht es in Frankreich didaktisch mehr darum,
Faktenwissen prägnant zu vermitteln. Das Unterrichtswerk
liest sich nicht als Roman, die Texte sind knapp, werden jedoch
durch die Vielzahl von Bilddokumenten, Zeitleisten, Schaubildern
visuell veranschaulicht.
Wie beurteilen die Betroffenen, Schüler und Lehrer das
Projekt? Klaus-Armin Pfiffer, Fachlehrer für Geschichte und
Französisch am bilingualen Zweig des
Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Rösrath, sowie die
Schüler/in : Elisa Kieschnick, Karsten Kuhnert
(Leistungskurs Geschichte), Carsten Ritter, Friedrich
Wöhlecke (Grundkurs Geschichte bilingual) hatten sich mit
dem ersten Kapitel des Bandes zum Thema „Bilanz und Folgen
des Zweiten Weltkrieges“ beschäftigt. Hier ihre
Eindrücke: Von der optischen Aufmachung, der Methode und der
Gliederung her wird das gemeinschaftliche Geschichtsbuch positiv
beurteilt.
Deutliche Kritik besteht jedoch an der mangelnden
Ausführlichkeit der Darstellung historischer Fakten und
Zusammenhänge, an der Kürze und der Auswahl der zur
Bearbeitung verfügbaren Quellenauszüge sowie an der
geringen Verwendungsmöglichkeit für die
Abitursvorbereitung. Letzteres vor dem Hintergrund des in NRW neu
eingeführten Zentralabiturs. Herr Pfiffer bedauerte, dass
die Anforderungen des Zentralabiturs in NRW Absicht und Ziele des
deutsch-französischen Unterrichtswerkes eher konterkarieren.
Wie auch immer: „Die Alten können es kaum fassen, die
Jungen nehmen es gelassen!“ Der erste Band ist da, zwei
weitere Bände folgen. Das mehrfach geäußerte
Interesse an einer enzyklopädischen
„Volksausgabe“ des deutsch-französischen
Geschichtswerkes für Erwachsene sollte der Verlag Klett
ernsthaft überdenken.
„Der Blick auf die europäische Identität“
darf nicht vergessen werden, so Olivier Duchatelle, Leiter des
deutsch-französischen Robert-Schuman-Instituts in Bonn und
Hochschulattaché der französischen Botschaft für
NRW, in seinem Diskussionsbeitrag. Gemeinsame europäische
Geschichtsbücher müssen nach seiner Ansicht die
Vielfalt von Ereignissen hervorheben. Sie fördern damit auch
den intelligenten Perspektivenwechsel von Geschichte.
Klaus Baldus
Weitere Beiträge der 11.
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